- Beratungsmappe vorbereiten
- Begrüssung und Vorgespräch
- Präsentation
- Verbindlichkeit durch Aufnahme der persönlichen Daten erzeugen
- Die wichtigsten Fragen
- Wichtig: Die Hörziele
- Messungen
- Beratung
- Eine klare Empfehlung ausprechen
- Hörziele = Versorgungsziele
- Therapieplan und Terminvergabe
- Abdrücke
- Dokumentation
- Kritik und schwierige Situationen
- Sonderfälle
- A. Patient hat Hörverlust und ist von der Ergebnissen schockiert
- B. Der Patient ist für eine Gehör-therapie geeignet, will aber keine Hörgeräte
- C. Patient hat Pfropf im Ohr
- D. Patient hat Tinnitus ohne Hörverlust
- E. Patient hat Hyperakusis ohne Hörverlust
Die Gehöranalyse · GA
1. Termin · Zeitbedarf: 1,5h
Beratungsmappe vorbereiten
Eine vollständige Beratungsmappe beinhaltet: Visitenkarte, Deckblatt, „Meine Gehöranalyse“, aktuelle Broschüre, Broschüre „Eora“ (bei Frauen). Die Beratungsmappe liegt am Empfang bereit und wird durch Fragebogen und Anmeldebogen ergänzt. Die Antworten im Frage- und Anmeldebogen werden unbedingt vor der Begrüssung kurz durchgesehen, um nähere Informationen üder den Patienten zu erfahren:
• welche Probleme hat er?
• welche Therapie hat er für sich gewählt?
• Tinnitus/Hyperakusis?
• Hörgeräte schonmal getestet/bereits vorhanden?
• Interesse an Hörgeräten?
Begrüssung und Vorgespräch
Begrüssen Sie den Patienten im Wartezimmer, stellen Sie sich mit Ihrem Namen vor und bitte den Patienten Ihnen zu folgen. Fragen Sie ihn auf dem Weg ein paar unverfängliche Fragen (Small-Talk):
• „Haben Sie gut zu uns gefunden?“
• „Möchten Sie noch etwas zu Trinken haben?“
• „Möchten Sie noch etwas an die Garderobe hängen?“
• „Möchtet uns Ihre Frau begleiten und zuhören?“
Im Behandlungsraum stellen Sie sich ein zweites mal, aber etwas ausführlicher vor (Name, Funktion bei KOJ, was machen Sie jetzt mit dem Patienten – geben Sie einen Ausblick):
• „Wie vorne schon gesagt, mein Name ist X, ich bin Hörgeräteakustiker/Biologe und begleite/betreue hier bei KOJ die Patienten während den verschiedenen Therapien. Ich habe mir heute für Sie Zeit genommen um mit Ihnen eine Gehöranalyse durchzuführen, dadurch erfahren wir, wie gut Sie hören aber auch wie gut Sie eigentlich verstehen können. Dafür führen wir einige Messungen durch und zum Ende des Termins interpretieren wir diese gemeinsam. Haben Sie bevor wir starten noch eine Frage?“
Kurze und einfache Fragen des Patienten können Sie sofort beantworten oder Vorbehalte entkräften:
• „Kostets das etwas?“ – „Nein Herr X, der Termin mit
mir heute ist ohne Kosten und auch unverbindlich, wir schauen uns an wo Sie stehen, ob und wo Sie Schwierigkeiten haben und ob ich eine Möglichkeit sehe eine Hilfe anzubieten“
Komplexe Fragen oder schwierige Aussagen werden paraphrasiert und Sie gehen später darauf ein:
• „Ich will übrigens kein Hörgerät“ – „Ok, habe ich verstanden und werde ich mir für später notieren wenn wir die Ergebnisse zusammen besprechen.
Ein grosser Teil der Anamnese hat bereits durch den Fragebogen im Wartezimmer stattgefunden, dadurch wir der Patient nicht unangenehm von Ihnen ausgefragt.
Falls der Patient keine Fragen (mehr) hat, fahren Sie mit dem Gespräch fort und erfragen Sie warum der Patient hier ist, was er sich erhofft, oder lassen sich bei Unklarheiten oder Bedarf für das Gespräch seine Angaben beim Fragebogen/Anmeldebogen erklären:
• „Bevor wir starten , hätte ich noch ein zwei Fragen an Sie…“
• „Was hat Sie denn heute zu mir geführt?“ / „Mit welchem Wunsch sind Sie zu uns gekommen?“
• „Sie haben angegeben, dass Sie besser verstehen wollen, gibt es denn bestimmte Situationen in denen Sie sich verbessern möchten?“ / „Wo spüren Sie Ihre Einschränkung – in welchen lebenssituationen wünschen Sie sich eine Besserung?“
• „Sie haben angegeben, dass Sie unter Tinnitus leider, wie äussert sich das im Alltag?“
• „Sie haben angegeben, dass Sie schonmal Hörgeräte versucht haben, was ist denn das Ergebnis des Versuches gewesen?“
• „Was erwarten Sie sich von unserem heutigen Termin?
Stellen Sie dem Patienten offene Fragen, damit Sie möglichst viel über ihn und seine Bedürfnisse erfahren. Wenn Sie dabei erfolgreich sind, erfahren Sie ganz ungezwungen:
- In welchen Situationen er ein Problem hat
- ob ihn seine Frau/Partner geschickt hat
- ob er bereit ist Hilfe anzunehmen
- was er beruflich macht/gemacht hat
- ob er viel ausgeht und gesellig ist oder alleine und ruhig lebt
- ob er sich Hörgeräte leisten kann
Wenn Sie nicht erfolgreich sind, dann sind Sie nach dem Gespräch genauso schlau wie vorher, und eigentlich haben Sie den Patienten als Mensch nicht näher kennengelernt. In dem Fall müssen Sie im weiteren Verlauf des Termins unbedingt versuchen, mehr Informationen zu gewinnen.
Wichtig: Nehmen Sie den Patienten ernst und zeigen Sie ihm dies auch. D.h. machen Sie sich sichtbare (kurze) Notizen und halten Sie fest, was Ihnen mitgeteilt wird. Gehen Sie dabei nur oberflächlich auf die einzelnen Punkte/Fragen ein, da eine unvorbereitete frühe Diskussion oft mehr abschreckt, wie das sie hilft.

Präsentation
Nutzen Sie für Ihre Präsentation die folgenden Werkzeuge:
- Prezi: Wenn der Patient den Raum betritt, muss die Startseite der Präsentation als Vollbild bereits aufgerufen sein und der Bildschirm schräg zum Patienten gedreht sein.
- Ohrmodell/Cortimodell: Für gezielte anatomische Rückfragen holen Sie das Modell zum Tisch.
- Broschüren: Anhand der Broschüre „Meine Gehöranalyse“ können Sie in kurzer Zeit das Gehör erklären und die gleich stattfindenen Messungen erklären.
Arbeiten Sie unbedingt folgende Kernpunkte heraus:
- Hören ist nicht das Gleiche wie Verstehen: Wir hören mit den Ohren und wandeln dadurch alle Informationen um uns herum in Nervensignale um. Die Verarbeitung dieser Nervensignale findet aber nicht im Ohr, sondern im Gehirn statt. Das Verstehen und richtige Verarbeiten zum Beispiel von Sprache ist ein kognitver Prozess der im Gehirn stattfindet.
- Die einzelnen Teile des Ohres haben unterschiedliche Funktionen
- Das Ohr ist ein „Verstärker“, das Gehirn muss „interpretieren und verstehen
- Weniger Hören heisst weniger Nervensignale und die Verarbetung im Gehirn wird unterfordert, das führt zu einem Abbau der Fähigkeiten zur Interpreation der vorhandenen Signale. Nutzen Sie auch Analogien wie die Muskulatur, Reha, Sport.
- Die Messungen und wofür sie da sind
Fragen Sie am Ende Ihrer Präsentation nach Unklarheiten und holen sich das „ja, verstanden“ ab.
Erklären Sie vor den Messungen die verschiedenen Leistungen bei KOJ:
- Aufbautraining: Das effektive Training für ein besseres Verstehen und Schulung der Aufmerksamkeit – ganz ohne Hörgeräte
- Gehörtherapie: Das Herzstück unserer Arbeit: Wir kombinieren technische Hilfe für das Ohr und kognitves Training für die Verarbeitung im Gehirn. Sie werden mehr hören und das Gehörte wieder besser verstehen.
- Optimierung: Mithilfe unseres Trainings reprogrammieren wird Ihre Hörgeräte hinsichtlich unseren thereputischen Standards. Sie erleben, wieviel Sie mit den vorhanden Hörgeräten wieder Hören können und wir helfen Ihnen mit dem Training das Gehörte wieder besser zu verstehen. Anschliessend kümmern wir uns die weiteren Jahre durch Betreuung, Nachkontrollen und Trainingswiederholungen dass Ihr Erfolg auch bleibt.
Mindestens eine Leistung können Sie sichtbar mit dem Patienten durchstreichen (AT oder OT)
Verbindlichkeit durch Aufnahme der persönlichen Daten erzeugen
Erst jetzt erfolgt die Anamnese und damit weitere Verbindlichkeit. Vermeiden Sie ein unangenehmes „Ausfragen“, fragen Sie entsprechend Ihrer Notizen lieber nach – zB. mit Bestätigungsfragen: „Habe ich Sie richtig verstanden, Sie hören seit ca 4 Jahre nicht mehr gut, wie haben Sie das bemerkt…“.
Die wichtigsten Fragen
Wenn sich ein Interessent auf eine Anzeige meldet, dann mag ein Gutschein oder eine Aktion ein Grund sein sich genau jetzt zu anzumelden, aber ohne ein bestimmtes Bedürfnis, ein gezielter Wunsch, eine Hoffung oder ein schon vorhandenes Problembewusstsein nimmt sich kein Interessent die Zeit zu uns zu kommen. Es ist Ihre wichtigste Aufgabe, diesen Grund zu erfragen oder zu erkennen. Ohne dieses Wissen können Sie nicht erfolgreich beraten.
- Nur wenn Sie den Patienten fragen, können Sie etwas erfahren. Die verschiedenen Fragetechniken und die Theorie wird in einem separaten Kapitel (s. 3. Psychologie) erklärt. Anbei werden die wichtigsten Fragen vor der Messung aufgeführt:
- „Herr X, was sind denn Ihre wichtigsten Ziele die wir zusammen mit einer Therapie verfolgen sollen?“
- „Herr X, gemäss dem Fall die Messungen zeigen, dass eine Therapie in Kombination mit Hörsystemen für Ihre Ziele und Anforderungen besser geeignet ist, wie würden Sie denn dazu stehen? Wären Sie dazu bereit so eine Lösung zu erproben?“

Wichtig: Die Hörziele
Im Laufe des bisherigen Termins sollten Sie bereits genug erfahren haben, um mehrere Hörziele konkret zu definieren. Notieren Sie sich in Ihrer Mappe die jeweiligen Stichpunkte um diese später zu konkretisieren.
• Ein Hörziel ist z.B. „ich möchte in meinem Lieblingsrestaurant meine Frau wieder verstehen können, ohne peinlich berührt in Stille dasitzen zu müssen“.
• kein Ziel ist z.B. „besser verstehen“.
Messungen
Nun erfolgen die Messungen. Weisen Sie ruhig und genau in die Messungen ein. Erklären Sie immer kurz, wofür die Messung da ist. Streuen Sie mit ein, dass ein Hörverlust im Ohr mit Hörgeräten zu versorgen ist und wer nur Schwierigkeiten beim Hörverstehen hat, durch das Aufbautraining Besserung erhählt. Vermeiden Sie es auf die Ergebnisse einzelner (Teil-)Messungen einzugehen.
- Luftleitungsaudiogramm, mit Selbsaudiometrie und Hochtonaudiometrie
- Vertäubtes Knochenleitungsaudiogramm
- TEN-Test
- (ggf. TIN)
- Phonem-Messung im Freifeld
- Akustisches Gedächtnis
Beratung
- Drucken Sie das erarbeitete Audiogramm zwei mal aus (ein Exemplar für die Akte) und erstellen Sie für das Hörverstehen ein Balkendiagramm inkl. Leistungsempfehlung. Legen Sie die vollständigen Unterlagen (Tests, Meine Gehöranalyse und Leistungsbeschreibung) dem Patienten vor und schaffen Sie Verständnis für die Ergebnisse.
- Erklären Sie, was ein Audiogramm ist:
- „Herr …, das ist Ihr Audiogramm, das Ergebniss Ihrer Messungen mit dem Kopfhörer. Hier erkennen wir, wie gut Ihr Ohr jeweils hören kann“
- Zeichnen Sie ein normal gutes Hören ein (Nulllinie) [Abb. 50 Audiogramm – auf Seite 27]
- Markieren Sie einen leichten HV (20-50dB), einen mittleren HV (50-70dB), einen starken HV (70-90db) und Taubheit (ab 90dB)
- Markieren Sie tiefe, mittlere und hohe Frequenzen und erklären Sie wo
- Vokale wahrgenommen werden, wo weiche und wo scharfe Kon-sonanten.
- Mit rotem und grünem Marker machen Sie kenntlich, wo der Patient noch gut-hörend ist, wo schlecht-hörend.
- Fokussieren Sie, was beim Hören fehlt (markieren) und was das für den Patienten bedeutet. (z.B. Hochtonverlust – scharfe Konsonatnen können nicht richtig wahrgenommen werden)
- Greifen Sie auf Inhalte der Prezi/Broschüre oder des Ohrmodells zurück:
- Bei Hochtonverlust das Spektogramm aus der Prezi zeigen und erläutern und seinen Fall mit einem Blatt Papier durch Abdecken des Bildschirmbereichs darstellen. Erläutern Sie, dass genau dieses Töne-wie- der-sichtbar-machen Aufgabe von Hörsysteme ist.
- Bei hohem SL-Anteil das Ohrmodell zur Hand nehmen oder in der Broschüre den Knochenleiter einzeichnen und die Wege des Schalls erklären. (Denken Sie an das PONTO.)
Gehen Sie über zu den Ergebnissen der Phonemmessung und zeigen Sie die Verbindung von Ursache und Wirkung auf:
- „Weil das Ohr die hohen Frequenzen nicht in Signale umwandeln kann, hören Sie z.B. den Unterschied zwischen S und Z nur sehr schwer.“
- „Weil Ihr Ohr eine Schädigung aufweist, werden weniger Nervensignale erzeugt, und wie Sie mir zu Beginn geschildert haben, muss das schon einige Jahre so sein. Folglich hat es auch beim Sprachverstehen, also bei der Interpretationsfähigkeit der Signale im Gehirn Einschräkungen und gerade bei Lärm verstehen Sie nur wenig der Phoneme richtig.“
- „Ihr schwächer werdendes Hörverstehen ist also eine Folge Ihrer schwächer werdenden Ohren.“
- „Um den Hörverlust auszugleichen und einem weiteren Abbau des Hörverarbeitung entgegenzuwirken, ist es erforderlich den Hörverlust mit Hörgeräten auszugleichen und gleichzeitig dem Gehirn durch Training zu zeigen, worauf es sich bei der Hörverarbeitung konzen- trieren soll.“
- „Die erste Messung zeigt, wie gut Ihr Ohr hört. Die zweite und dritte Messung zeigt, wie sehr Ihr Gehirn aber unter Belastung das Hörverstehen verlernt hat. Genau hier wollen wir ansetzen um Ihnen mit Training und Therapie zu helfen (…)
Eine klare Empfehlung ausprechen
Nur wenn Sie während der Beratung die richtigen Fragen gestellt haben – wenn Sie wissen, wie der Patient zu einer eventuellen Versorgung mit Hörgeräten steht – nur dann können Sie die richtige Empfehlung verständlich begründet abgeben.
Wenn Sie dem Patienten aufgrund der Ergebnisse eine Gehörtherapie empfehlen, dieser aber nun erstmals einwirft, dass er überhaupt keine Hörgeräte tragen will, ist die Beratung fehlgeschlagen, der Patient fühlt sich gedrängt/genötigt und wird keine weitere Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Falls Sie dann Ihre Empfehlung „revidieren“ und ein Aufbautraining anbieten, wirken Sie unprofessionell. Identisch verhält es sich mit der Empfehlung zwischen GT und OT.

Die Empfehlung darf für den Patient keine Überraschung oder ein Schock sein. Der Patient sollte anhand der bisherigen Erklärungen, der Deutung der Messungen schon selber erkennen, welche Hilfestellung für ihn in Frage kommen wird. Dafür ist es essenziell, dass bei jedme Teilschritt immer wieder und klar auf Ursache und Wirkung respektive auf Hörverlust und Hörverstehen respektive auf Technik und Training verwiesen wird.
Vermeiden Sie es mehrfach Lösungen auszusprechen, wie z.B. „Sie können AT oder GT machen – beides geht“. Kommt ein Interessent für zwei Programme in Frage, dann macht es Sinn ihn über beide aufzuklären, aber dennoch ist es zwingend eine konkrete Leistung zu empfehlen – beispielsweise:
- „Frau X, bei Ihrem Hörverlust wäre es zwar gerade noch möglich mit einem reinen Aufbautraining die Hörgeräe-Versorgung ca. 1 Jahr aufzuschieben, aber bei all dem, was ich inzwischen von Ihnen weiss, möchte ich Ihnen als Fachmann raten, testen Sie lieber einen Monat lang die Gehörtherapie. Dabei können Sie unverblindlich und kostenfrei sowohl Ihr Gehör trainieren, wie auch verschiedenen Hörgeräte erproben. Gemeinsam können wir dann nach dem ersten Monat bewerten, wie sehr wir Ihre Hörziele erreichen können.“
Hörziele = Versorgungsziele
Definieren Sie gemeinsam mindestens drei (bis optimalerweise fünf) Versorgungsziele. Diese sollten konkret und realisierbar sein – bsp. „wenn ich mit meinem Mann in das Restaurant gehe, dann möchte ich ihn besser verstehen können“ oder „mein Enkelsohn spricht sehr leise, ich möchte hören können, was er zu mir sagt“. Ein Negativ-Beispiel: „besser hören ohne Hörgeräte“. Halten Sie die jeweiligen Punkte mit einer Schulnote fest.
Therapieplan und Terminvergabe
Erläutern Sie den Therapieplan. Zeigen Sie auf, wie die zeitlichen Abläufe sind und was das Ziel der einzelnen kommenden Termine ist. Vereinbaren Sie auf dem Therapieplan stets Blocktermine (Trainingsanfang bis Trainingsende). Dies schafft Verbindlichkeit und zeigt gleichzeitig, dass es sich um einen überschaubaren (Termin-)Aufwand handelt.
Übergeben Sie die vollständige Beratungsmappe (Therapieplan, Audiogramm, Balkendiagramm, Broschüre).
Abdrücke
Wenn Ohrstücke sinnvoll sind, dann nehmen Sie die Abdrücke. Stellen Sie während dem Training dem Patienten alles zur Verfügung, was optimalerweise erforderlich ist.
Wichtig: Wenn man an den Ohrstücken spart, dann riskiert man die ganze Versorgung.
Dokumentation
Notieren Sie sich, was mit Ihrem Patienten besprochen worden ist, was Sie ggf. mitgegeben haben und welche Besonderheiten relevant sind. Legen Sie die notwendigen Punkte/Eigenschaften/Aktivitäten in Akuwin an.
Kritik und schwierige Situationen
Nachfolgend ein paar typische kritische Fragen und Lösungsvorschläge für schwierige Situationen:
- „Ich glaube nicht, dass man soetwas trainieren kann, das ist doch nur Gerede.“
„Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen das vielleicht ertsmal neu und unbekannt vorkommen muss und
es ist normal, dass man Neues skeptisch beurteilt. Allerdings hat unsere Arbeit einen ganz bewährten Urspung: Cochlea-Implantate. Schon als man die ersten Cochlea-Implante in den 80er Jahren bei Menschen eingesetzt hat, hat man schnell festgestellt, dass eine wiederhergestelltes Hören allein nicht ausreicht um mit anderen Menschen zu kommunizieren oder gar Geräusche richtig zu erkennen. Deshalb gehört zu jeder Cochlea-Implantatation ein darauf abgestimmes und langjähriges Hörtraining. Das ist natürlich viel rudimentärer und einfacher als unser Training, aber der Sinn und Zweck dahinter ist identisch – man lernt wieder das Verstehen.“
- „Ich höre noch so gut, ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass ich ein Hörgerät brauche.“
„Dieses Gefühl kann ich nachvollziehen. Das ist ein subjektiver Eindruck der über einen langen Zeitraum entsteht. Über die Jahre haben Sie sich schlichtweg an das weniger Hören gewöhnt, so wie man sich auch irgendwann an eine schwächere Muskulatur infolge mangelnder Bewegung gewöhnt. Man vergisst wie fit man früher war oder wie viel man hören und wie leicht man verstehen konnte. Ich rate Ihnen, verlassen Sie sich dabei weniger auf Ihr Gefühl und mehr auf objektive Daten. Probieren Sie die Therapie aus und geben Sie sich selber die Chance zu erfahren, ob Sie mehr als heute hören und verstehen können – ich helfe Ihnen dabei.“
- „Mein Ohrenarzt hat gesagt, ich brauche noch kein Hörgerät.“
„Ich vermute Ihr Ohreanrzt hat Ihnen vielleicht gesagt, dass Sie keine ausreichend starke Schädigung haben um eine Bezuschussung der AHV zu erhalten. Dazu sollten Sie wissen, dass die Kriterien der Bezuschussung durch die AHV vor ca. 5 Jahren stark erhöht wurden, um die Zahl der Empfänger zu reduzieren und gleichzeitig der Betrag mehr als halbiert wurde. Leider ist das nichts neues, die Gesundheitskosten steigen auf der ganzen Welt an. Ich gebe Ihnen vorne gerne eine Übersicht der wichtigsten Studienergebnisse der letzten Jahre zum Thema Hörverlust und kognitive Abbau mit. Es ist unumstritten, dass je früher einem Defizit begegnet wird, die Chancen auf Besserung höher und einfacher zu erreichen sind. Abwarten und Aufschieben ist auch nach Erkenntnissen der Forscher nicht der richtige Entschluss, denn dabei erzeugt man lediglich immer grössere Folgeprobleme. Nichtsdestotrotz, wir geben Ihnen gerne die Chance, eine Therapie auszuprobieren, Sie können dabei nur etwas gewinnen.“
- „Woher weiss ich, dass das wirklich etwas bringt.“„Nun, ich kann Ihnen aus meiner langjährigen Erfahrung berichten oder ich kann Ihnen auch die zahlreichen Erfahrungsberichte auf unserer Homepage empfehlen. Ich rate Ihnen aber etwas ganz einfaches: Probieren Sie es doch einfach risikofrei aus und machen Sie dabei Ihre eigene Erfahrung.“

Sonderfälle
Auch wenn der beschriebene Ablauf auf den Grossteil der Patienten zutrifft, so gibt es doch immer wieder besondere Fälle. Scheuen Sie sich nicht davor, für besondere Fälle auch ein besonderes Vorgehen zu wählen. Anbei einige Beispiele:
A. Patient hat Hörverlust und ist von der Ergebnissen schockiert
Ist der Patient von den schlechten Resultaten schockiert und hat vielleicht auch noch nie zuvor einen Hörtest gemacht, so kann Ihn die Vorstellung jetzt eine Therapie mit Hörgeräten zu starten schlicht überfordern. Der Patient hat das nachvollziehbare Bedürfnis, das Resultat und das weitere Vorgehen mit Angehöorgen zu besprechen oder den Schock zu verdauen. Sie sollten dem Patienten diese Zeit zur Selbstfindung geben.
Erläutern Sie dem Patient, dass Sie gerne die Ergebnisse verifizieren möchten, besonders da er noch nie zuvor einen Hörtest durchgeführt hat, möchten Sie sicher sein, dass Ergebnisse reprouzierbar sind. Brechen Sie das weitere Vorgehen ab, schlagen Sie dem Patienten direkt vor, in einer Woche die Messungen zu wiederholen um sicher zu gehen, dass es sich um keine vorübergehende Schwankung handelt. Das ist zwar nahezu ausgeschlossen, aber dadurch ermöglichen Sie dem Patienten, die Resultate wirken zu lassen. Fragen Sie den Patienten nicht ob er das möchte, sondern handeln Sie (Führung übernehmen).
Bitten Sie den Patienten, er soll sein Umfeld befragen, wie oft er nachfrägt oder schlecht versteht. Bei dem Termn GA2 sprechen Sie den Patienten darauf an. Sie wiederholen die Messungen. Diese sollten kaum abweichen. Zeigen Sie dem Patienten die Ergebnisse, erklären Sie, dass die Resultate nicht abweichen und damit verifiziert sind. Empfehlen Sie dem Patienten eine Gehörtherapie zu erproben – betonen Sie dabei, dass er das „einen Monat in Ruhe und daheim testen kann“.
B. Der Patient ist für eine Gehör-therapie geeignet, will aber keine Hörgeräte
Sie haben durch Ihre Fragen schon vor der Messung den Eindruck gewonnen, dass der Patient kein Interesse an Hörgeräten hat. Die Messung zeigt nun aber einen deutlichen Bedarf und einen sehr wahrscheinlichen Zugewinn an Lebensqualität durch Hörgeräte. Sie sollten den Patienten von einer Gehörtherapie und von Hörgeräten überzeugen. Gehen Sie wie folgt vor. Erklären Sie die Ergebnisse wie beschrieben und erklären Sie dabei ganz objektiv die Notwendigkeit von Hörgeräten um das Defizit auszugleichen. Zeigen Sie dem Patienten das Spektogramm und den Bereich, den er mit seinen Ohren und dem Hörverlust nicht wahrnehmen kann und die daraus folgenden Resulatet der Phonemmessung.
Achten Sie bei Ihren Erläuterngen genau auf die Reaktionen des Patienten, fragen Sie dabei immer nach, ob er Ihre Erklärungen auch verstanden hat. Erkennen Sie beim Patienten eine Einsicht oder erklärt der Patient sogar von selbst, dass er wohl Hörgeräte braucht, empfehlen Sie die Gehörtherapie. Erkennen Sie keine Einsicht, so fassen Sie die Ergebnisse zusammen und seine Aussage zu Beginn, dass er keine Hörgeräte möchte:
- „Herr X, dies ist die Auswertung Ihrer Ergebnisse und wie Sie selbst erkennen, sprechen die Resultate zum einen für ein Training, zum anderen aber auch für eine Notwendigkeit von Hörsystemen um den Verlust in Ihren Ohren auszugleichen. Jetzt haben Sie zu Beginn der Gehöranalyse bereits gesagt, dass Sie eigentlich keine Hörgeräte ausprobieren möchten, habe ich das so richtig verstanden?“
Nimmt der Patient auch hier seine Aussage und Verweigerung nicht zurück, sodass Sie keine Gehörtherapie empfehlen können, raten Sie dem Patienten zu einem Aufbautraining, um in einem ersten Schritt das Gehör ohne Technik zu trainieren:
- „Ich rate Ihnen demnach zu folgendem Vorgehen. Führen Sie ein Aufbautraining durch, ein Training ohne Hilfenahme von Hörgeräten. Strengen Sie sich an, und wir werten am Ende Ihre Fortschritte aus. Gemäss dem Fall, Sie erreichen ein spürbar besseres Sprachverstehen, können Sie bis auf Weiteres auf Hörgeräte verzichten. Falls sich die Werte nur geringfügig oder garnicht verbessern, so können wir immer noch eine Hörgerätetechnik mit einbeziehen. Sie sollten zuerst versuchen durch ein Aufbautraining Ihre Fähigkeiten beim Sprachverstehen ohne Technik zu verbessern. Dadurch erfahren auch Sie selbst, wie weit Sie ohne Hörgeräte kommen können. Danach schauen wir, ob Ihnen die erreichten Fortschritte genügen, oder ob Sie doch nochmal ein Training mit Technik durchführen möchten. Bei Versorgung mit Hörgeräten schreiben wir Ihnen den Betrag sogar gut.“
C. Patient hat Pfropf im Ohr
Führen Sie dennoch alle Messungen und die komplette GA durch. Besprechen Sie Ergebnisse unter Vorbehalt der Beeinträchtigung (Abweichung CPT max 5%) und schicken Sie den Patienten (idealerweise) zu einem uns bekannten ORL. Geben Sie auch eine Empfehlung ab. Vereinbaren Sie eine GA2 für die Verifizierung der Messungen. Die Knochenleitung gibt in jedem Fall eine verlässliche Aussage über einen eventuellen Hörverlust.
D. Patient hat Tinnitus ohne Hörverlust
Führen Sie ein Aufbautraining in Kombination mit Tinnitus-geeigneten Hörgeräten zur Probe durch. (Siemens oder Oticon TI)
E. Patient hat Hyperakusis ohne Hörverlust
Führen Sie ein Aufbautraining mit Hörgeräten durch und programmieren Sie die Hörgeräte nach der Anweisung für Hyperakusis.