
WIE FUNKTIONIERT LERNEN?
Aus psychologischer Sicht ist Lernen ein Prozess bei dem wir unser Verhalten, Denken oder Fühlen aufgrund von Erfahrungen oder neu gewonnenen Erkenntnissen verändern. Dazu gehört auch die Fähigkeit zur Erinnerung (Gedächtnis) und des Abrufens und Anwendens von Erlerntem. Lernen beinhaltet auch die Wahrnehmung und Bewertung unserer Umwelt, die Verknüpfung mit Bekanntem (Erfahrung) und das Erkennen von Regelmässigkeiten oder Mustern. Lernen ist nicht unbedingt ein bewusster oder beabsichtigter Vorgang, sondern häufig beiläufig und spontan. Aber Lernen kann durch Hilfe von Methodik und Strategie auch planbar und gezielt stattfinden, wie bei einem Schulunterricht.
Die neurobiologischen Grundlagen des Lernens stützen sich vereinfacht auf Formen der Konditionierung: Wiederholte Reize werden mit anderen Reizen oder Reaktionen assoziiert. Dadurch haben Menschen und Tiere die Fähigkeit, Sinneseindrücke (wie Nervenimpulse aus den Ohren) mit anderen Sinneseindrücken oder auch mit bereits Gelerntem zu assoziieren und in Verbindung zu bringen.
Lernen und auch Erinnern sind nur möglich, weil das Gehirn fortwährend umgebaut wird. Dabei finden an den Verbindungen zweier Nervenzellen – den Synapsen – gezielte Modifikationen statt, durch die sie in ihrer Form, in ihrer Molekülzusammensetzung und in ihrer Funktion verändert
werden. Es stärkt die Verbindung zwischen zwei Nervenzellen, wenn sie häufig genutzt werden. Informationen können dann abgespeichert und abgerufen werden. Allerdings ist auch der umgekehrte Vorgang möglich: Ungenutzte Fähigkeiten können wieder verlernt werden, da die Synapsen dann so umgebaut werden, dass ihre Verbindung schwächer wird beziehungsweise ganz verloren geht. [1]
Die Fähigkeit zur neuronalen (Neu-)Verknüpfung wird unter dem Schlagwort neuronale Plastizität zusammengefasst.
Adaptives eLearning bei Hörminderung
Technologiegestütztes Lernen bietet bereits seit einigen Jahren in vielen Bereichen grosse Vorteile für den Lernenden: Der Lernprozess kann digitalisiert werden, er ist dadurch exakter planbar, feedbackorientiert, adaptiv und vor allem individuell durchführbar. Unser Gehörtraining nutzt diese Prinzipien des digitalen Lernens zum ersten Mal im Bereich der Akustik und Audiologie: Hörgeschädigte Patienten erhalten dadurch die Möglichkeit, die Verarbeitung und Interpretation der stark veränderten und subjektiv verfremdeten Sinneseindrücke bei einer Hörgeräteversorgung gezielt zu trainieren. Dadurch wird ein sonst langjähriger und nicht konsequent durchführbarer Gewöhnungsprozess massiv beschleunigt. In Kombination mit dem therapeutischen Verfahren der Hörgeräteanpassung, Messverfahren und der kompetenten Betreuung entsteht die KOJ-Gehörtherapie. Die Vorteile für einen hörgeschädigten Patienten:
- Gezielte Reizung der akustischen Verarbeitung und Anregung eines Lernprozesses zur Einordnung vorerst fremder oder neuer Sinneseindrücke, besonders durch Einsatz eines Hörgerätes
- adaptiver Lernfortschritt, adaptiver Schwierigkeitsgrad und feedbackorientierte Trainingszusammenstellung ermöglichen ein vollständig individuelles Lernniveau. Dadurch werden die Lern-Paramter auf jeden Patienten eingestellt und unnötige Aufgabenstellungen, welche zu einfach oder zu schwer und unlösbar sind, minimiert.
- Fortschritte sind innert Wochen auch messtechnisch nachweisbar und für den Nutzer darstellbar
- Unsere Gehörtherapie beinhaltet durch die Kombination aus Gehörtraining und Terminen vor Ort etwa 30 aktive Stunden für den Nutzer. In der klassischen Hörgeräteakustik beschränkt sich die effektive Zeit der Anpassung eines Hörgerätes auf ca. 2 bis 4 Stunden.
- Der Nutzer führt einen grossen Teil der Therapie zu Hause durch und kann über die Zeiteinteilung frei bestimmen.
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1 LMU München, Prof. Dr. Michael Kiebler, BioMedizinisches Centrum – BMC LMU Muenchen, Med. Faculty