Mit Hilfe von Wasserfalldiagrammen und Analysen zur „Customer-Jurney“ wurde sichtbar, dass unsere Therapie-Angebote herforagend geeignet sind, Menschen zu begeistern und zu versorgen – aber auch eine Schwäche haben: Motivierte oder interessierte Betroffene werden durch die theorielastige GA verunsichert, zu wenig bestätigt oder durch lange Wartezeiten bis Trainingsstart demotiviert. Um aus dieser Schwäche eine Stärke zu machen, wurde das Beratungs-Konzept GA+T1 iniziiert. Klare Zielsetzung dabei ist, dass der Betroffene „sofort“ starten kann und nicht nochmals (Wochen) auf sein Training warten muss.
Die Inhalte von GA+T1 bleiben analog zu den in Kapitel 2 und 3 beschriebenen Inhalten; Aber die Reihenfolge und der Fokus ändert sich wie nun folgend beschrieben.
Der Empfang klärt soweit möglich bei der ersten Terminvergabe bereits ab, ob:
- der Interessent schon Erfahrungen mit Hörgeräten hat oder bereits Hörgeräte trägt
- der Interessent bereits einen ORL aufgesucht hat und evetl. schon ein Hörverlust diagnostiziert wurde
- der Interessent im Anschluss an seine Erstberatung (GA) Zeit hätte, eine Therapie durchzuführen
Die Informationen der Anmeldung werden kurz zusammengefasst und als Grundlage in die Patientenakte eingetragen. Weist der Patient eine Eignung für GA+T1 auf, so kann der Erstmerin hier auf 2h verlängert werden.
In der Beratung bezieht sich der Akustiker auf die bereits vorhandenen Informationen (soweit vorhanden) oder holt diese spätestens jetzt ein.
Beratung
Grundlage ist die selbstverständliche Auffassung, dass der Interessent grundsätzlich für eine Therapie bereit ist und diese durchführen will, denn sonst wäre er nicht hier. Beispiel zu Aussagen: „Sie haben sich bei uns zur Erprobung der Gehörtherapie angemeldet, das freut mich und ich werde Ihnen heute den genauen Inhalt erklären und Sie ins Training einweisen, vorher werden wir aber prüfen, ob Sie die Gehörtherapie geeignet sind, im Anschluss können Sie damit beginnen.“
Falls der Patient hier keine Einwände bringt (z.B. „Moment, ich habe mich nur für eine Analyse gemeldet, ich will erst mal nur schauen wo ich stehe“), ist bereits der erste Schritt erfolgreich getan.
In den ersten Minuten des Termins ist es entscheidend folgende Informationen zu gewinnen oder Bereitschaften abzufragen:
- Bereitschaft Hörsystem innerhalb einer Gehörtherapie zu erproben: „Herr Mustermann, wie Sie sehen können wir mit unterschiedlichen Therapien und Trainings das Sprachverstehen verbessern. Gemäss dem Fall, die Messungen ergeben eine Indikation für eine Hörschwäche, wären Sie denn bereit eine Gehörtherapie als Kombination aus Hörtraining und Hörsystemen zu erproben?“
Ist der Patient daraufhin bereit eine Gehörtherapie unverbindlich zu erproben, kann GA+T1 durchgeführt werden.
Reagiert der Patient stark ablehnend auf eine Hörgeräte-Versorung, ist die Wahrscheinlichkeit für einen sofortigen Start seitens des Patienten unwahrscheinlich. Nach den Messungen besteht die erneute Möglichkeit den Patienten von der Notwendigkeit von Hörsystemen zu überzeugen. Lehnt der Patient auch hier ab, benötigt er die Zeit bis zum regulären Trainingsstart zur Selbsteinschätzung und zur Entwicklung der Bereitschaft ein Hörgerät zu tragen.
- Bereitschaft und terminliche Möglichkeit sofort mit der Gehörtherapie zu starten (Patient verreist nicht): „Herr Mustermann, wie ich Ihnen erklärt habe bieten wir verschiedene Trainings und Therapien für Ihr Gehör an, je nachdem werden Ihnen diese 4 bis 6 Wochen zur Verfügung gestellt. Haben Sie denn in der nächsten Zeit eine längere Reise oder Ferien geplant oder könnten Sie täglich die circa 30-45 Minuten Zeit finden für die Übungen?“
Hat der Patient Zeit, ist die Beratung anschliessend auf GA+T1 anzupassen.
Um mit der vorhandenen Zeit des Termins auszukommen, muss die Entscheidung des Akustikers für die jeweilige Beratung (GA oder GA+T1) im ersten Drittel des Termins (Vorgespräch, Bedürfnisabfrage) erfolgen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass zum Ende des Termins keine Zeit mehr für die wichtigen Erklärungen zur Handhabung der Hörgeräte und der Gehörtrainers vorhanden ist.
Messungen
Die audiologischen Messungen werden auf LL, KL und Phonemmessung reduziert (TEN kann bei T2 erfolgen)
Auf eine ausführliche Anamnese wird verzichtet. Wir gehen davon aus, dass der Patient eine Verbesserung seines Sprachverstehens wünscht und geben ihm direkt die Möglichkeit damit zu starten. In den weiteren Terminen werden nähere Hörziele definiert, Einschränkungen im Alltag aufgenommen und Details geklärt.

Ausrüstung vorbereiten
Der Patient erhält die Hörsysteme KOJ G400 mit Domesprogrammiert mit KOJ-Algorith; Otoplastiken können bei Bedarf später produziert werden. Die Trockenbox wird zum T2 erklärt und mitgegeben.
Der Gehörtrainer wird mit 2-3 Beispielübungen demonstriert („Schnelle Sprache“, „Akustische Addition“, „Akustische Selektion“) Der Patient soll frühzeitig im Termin mit dem GT in Kontakt kommen und die Handhabung erfahren. Während der Patient mit dem Gehörtrainer übt oder die Kalibrierung durchführt muss die Zeit für die Anpassung der Hörsysteme genutzt werden.
Wichtig: 24h-Call
Der Patient wird am Tag danach (24h-Call) angerufen um weitere Wünsche zu erfassen oder Unklarheiten auszuräumen. Eventuell bestehen seitens Patient auch noch Vorurteile gegenüber Hörsystemen die ausgeräumt werden können.
T2, T3, T4, TX
Bei den nachfolgenden Termin ist es zu empfehlen, die bisherigen Schritte nochmals kurz zusammen zufassen (wo steht der Patient, welche Hörsystem hat er bisher ausprobiert, welche Messungen wurden gemacht) Der Patient wird gefragt, ob es noch Unklarheiten gibt oder er Informationen fehlen. Das bietet die Möglichkeit den weiteren Verlauf entsprechend seinen Einwänden zu planen (Preis-Vorstellungen etc.)
Messungen (wie z.B. der TEN-Test) können bei den weiteren Trainingsterminen nachgeholt werden, Otoplastiken können eingesetzt werden und weitere Faktoren (Gesundheitszustand, Budget) können berücksichtig werden.
GA+OT1 bzw. GA+AT1
Analog zu GA+T1 kann ebenso bei Optimierung eines vorhandenen Hörgerätes der OT1 im direkten Anschluss an die GA erfolgen.
Beim Aufbautraining ist generell darauf zu achten, dass der Trainingsstart zur GA erfolgt.